Ägypten

ÄGYPTEN
Land am Nil

Einmal vor den Pyramiden stehen, einmal in die Grabkammern im Tal der Könige steigen. In Ägypten verbinden wir Kultur am Nil mit Urlaub am Roten Meer.
Es ist wenig los, es ist nicht Hauptsaison, die Anschläge und die politisch wacklige Situation in Ägypten tun ihr Übriges. Doch vielleicht gerade deswegen ist es nicht die schlechteste Reisezeit. Es gibt wenig Gedränge an den bekannten Sehenswürdigkeiten und das Land, das zu einem guten Teil vom Tourimus lebt ist um jeden Besucher froh. Wir begegnen in erster Linie freundlichen und aufgeschlossenen Ägyptern, natürlich auch aufdringlichen Verkäufern, Kameltreibern und selbsternannten Touristenführern, doch nur an den Pyramiden sind sie wirklich lästig und lediglich die unzähligen Checkpoints von Miltär und Polizei an den Strassen lassen in uns ein etwas mulmiges Gefühl zurück.

Souvenierladen in Hurghada
Die Gebirgslandschaft in der arabischen Wüste
Die Pyramiden von Gizeh


Luxor
Im Tal der Könige

Wir durchqueren die arabische Wüste auf einer gut ausgebauten Strasse, die uns zunächst der Küste entlang nach Safaga und von dort nach Westen ins Niltal führt. Dieses erreichen wir in Qina und plötzlich ändert sich die Landschaft. Die kargen Gelbtöne der Wüste machen einem satten Grün platz. Wir überqueren bereits hier den Nil, denn die nächste Brücke befindet sich erst weit südlich von Luxor. Auf den Strassen herrscht reger Betrieb, alles ist unterwegs und scheinbar ohne Regeln zwängen sich Eselkarren neben Autos und Lastwagen aus den letzten fünfzig Jahren. Wir erreichen zunächst das Tal der Könige. Obwohl der Parkplatz vor dem Eingang voll mit Reisebussen ist, müssen wir nur zwei Minuten an den Sicherheitskontrollen anstehen, nachdem wir fluchtartig die Souvenierverkäufer passiert haben. Beeindruckend sind die Gräber, wenngleich die Kammern leer sind, sind die Wände über und über mit farbigen Hyroplyphen besetzt.


Der Steig vom Tal der Könige hinüber zum Tempel der Hatshepsut ist nicht mehr passierbar, also müssen wir mit dem Bus dorthin. Wieder kämpfen wir uns durch die Souvenierverkäufer, wieder eine Sicherheitskontrolle. Aber es lohnt sich. Von der oberen Rampe sehen wir über das dunstige Niltal bis zum Karnak Tempel auf der anderen Talseite. Auf dem Weg hinunter zum Nil passieren wir die Memnon Kolosse, die ihrem Namen alle Ehre machen. Dahinter finden Ausgrabunen statt und kurz fühlen wir uns zurückversetzt in die erste Hälfte des vorigen Jahrhunderts.
Am Nil angekommen sezten wir mit einem Boot auf die andere Seite. Da ausser uns keiner mit an Bord ist, darf ich ans Ruder und wir schlingern in Richtung Luxor.
Im Karnak Tempel im Norden der Stadt meinen wir fast, schon einmal gewesen zu sein. Zu bekannt ist uns die grosse Säulenhalle, die vielen Filmen als Kulisse dient. Die Dimensionen sind bemerkenswert und die schattigen Gänge zwischen den Säulen laden uns zum verweilen ein.

Tempel der Hatshepsut
Der Eingang des Karnaktempels


Hurghada | al-ġurdaqa
Ferienhochburg am Roten Meer

Wir landen in Hurghada bei bestem Wetter. Der Flughafen wirkt verwaist und wir nehmen erstmal ein überteuertes Taxi. Handeln ist hier angesagt. Den ersten Tag verbringen wir am Strand, das Meer ist in dieser Zeit wärmer als so mancher Hotelpool und der berüchtigte Wind lässt zumindest an diesem Tag auf sich warten.
Am späten Nachmittag fahren wir in die Stadt und spazieren durch den Hafen, statten dem kleinen Fischmarkt zu Füssen der grossen Moschee in der Dämmerung einen Besuch ab, am Geruch ist er schon von Weitem zu erkennen. Ausser ein paar Souveniershops gibt es in der Stadt nicht viel zu entdecken und so belassen wir es bei dem einen Besuch.



Arabische Wüste

Die Touri-Ausflüge in die Wüsten sind total durchorganisiert und lassen keinen Raum für individuelle Vorhaben, trotzdem ist vor allem die Landschaft an einem klaren Tag einen Besuch wert. Man quert den flachen Wüstenstreifen bis an die Ausläufer der beeindruckenden Gebirgskette, die schroff und karg in den Himmel wächst. Obwohl während der Fahrt nicht bemerkt, hat sich feinster Sand in jede noch so kleine Falte der Kleidung gelegt und das ganze ausschütteln nützt nichts, bei jedem Mal steigt eine neue Staubwolke auf. Die Kamele, auf denen wir für ein paar Minuten reiten dürfen sind eigentlich Dromedare. Das sanfte auf und ab-Schaukeln beim Gehen empfinde ich angenehm, aber manch einem macht die luftige Reisehöhe dann doch etwas zu schaffen. Doch das ganze Theater dauert kaum eine Viertelstunde und bald machen wir uns wieder auf den Rückweg an die Küste.


Rotes Meer
Tauchen vor Hurghada

Die unserem Hotel angeschlossene Tauchbasis -eine von unzähligen in Hurghada- unterhält mehrere Boote, ausgerüstet mit allem was man für einen Tagesausflug braucht. Es ist windig und ein stahlblauer Himmel umschliesst die Stadt, der am Horizont in ein noch blaueres Meer übergeht. Sobald wir den Anlegeplatz verlassen haben, werden hinter den Stränden mit ihren Hotels und dem flachen Landstreifen an der Küste die Berge der arabischen Wüste sichtbar. Aufgrund der klaren Luft scheinen sie zum Greifen nah.
Der Wind und die Wellen frischen auf. Wir erreichen unser erstes Ziel, das Banana Reef, nach einer guten Stunde. Es liegt zwischen den der Küste vorgelagerten Inseln Giftun Kebir und Giftun Soraya. Karge Felslandschaft prägt die beiden Inseln. Wir tauchen hinter dem Riff ab, das Wasser ist ruhig und wirkt wie ausgestorben. Erst als wir um die Ecke des Riffs ins offene, nährstoffreiche Wasser gleiten ändert sich die Umgebung. Plötzlich sind wir von zahllosen Fischen umgeben und Korallenbänke schmücken diese Seite des Riffs.
Der zweite Tauchgang am Nachmittag führt uns zum Shaab Sabina, etwas näher an der Insel Giftun Kebir. Ein Stachelrochen kreuzt hier unseren Weg, den wir mit der Strömung am flachen Riff entlang wählen.




Kairo
Moloch am Nil

Es ist ein gutes Stück zu fahren. Entland des Roten Meers nach Norden, durch karge Wüstenlandschaft, dann an unzähligen Ferienanlagen vorbei, erreichen wir die Schnellstrasse, die Ain Suchna mit Kairo verbindet. Es ist ein Moloch, in den wir eintauchen. Die ganze Stadt liegt unter einer Staubglocke, die Strassen sind überfüllt und der Verkehr läuft scheinbar ohne Regeln.
Trotzdem kommen wir zügig voran und stehen bald auf dem grossen Parkplatz der Alabastermoschee. Der Platz ist an diesem Morgen noch menschenleer. Die Stadt erstreckt sich bis zum Horizont, wo die letzten sichtbaren Häuser trotz wolkenlosem Himmel im Dunst verschwinden. Wieder auf die Strasse, im Morgenverkehr durch die Altstadt zum Ägyptischen Museum. Die Stadt beginnt zu atmen, wie ein Organismus erwacht der Alltag zum Leben. Am Tahrir-Platz zeugt nichts mehr von den teilweise blutigen Demonstrationen in den letzten Jahren, fast gezwungen wirkt die Situation am herausgeputzten Platz, als möchte man die jüngste Vergangenheit schnell vergessen machen.
Auch am Eingang des Ägyptischen Museums ist wenig los. Nichts deutet auf einen baldigen Umzug in das für zweitausendelf geplante, neue Museum am Stadtrand hin. Das Museum platzt aus allen Nähten. Dutzende, jahrtausendealte Granitskulpturen stehen dichgedrängt auf dem kleinen Platz vor dem Gebäude. Der Streifzug durch die grossen Hallen führt uns bald zur Ausstellung des Tutanchamun im zweiten Stockwerk. Gold über Gold wohin man schaut, fast fühlt man sich geblendet von den vieln Grabbeigaben und den Sarkophagen.
 
Die Alabster-Moschee in Kairo
Das Ägyptische Museum am Tarhir-Platz

Wir queren den Nil und halten auf der Brücke für einen kurzen Fotostopp, bevor wir Gizeh erreichen. Die Pyramiden sind schon von weitem zu sehen, aber auch so deuten die vielen fliegenden Händler, Kamele und Souveniershops darauf hin, dass es nicht mehr weit sein kann.
Und dann stehen wir plötzlich vor der Cheops-Pyramide. Ein chaotisches Treiben aus Pferdfekutschen, Kameltreibern und Touristen umrahmt die Szenerie.
Ein Blick zurück zeigt uns den markanten Wechsel zwischen dem grünem Niltal mit seinen Siedlungen und der Wüste auf der anderen Seite der Pyramiden.
Hinter der Cheops Pyramide tauchen die Pyramiden des Chephren und des Mykerinos auf. Wir spazieren jedoch auf der anderen Seite der Pyramide entlang einer tiefen Furche, in der eine der Sonnenbarken gefunden wurde. Weiter in diese Richtung erreichen wir eine Strasse, die quer durch das Gelände führt. Unglaublich dass es immer noch erlaubt ist, wie auf einer Safari mit dem Privatwageb durch das Ausgrabungsgelände zu kutschieren.
In einer Mulde südostlich der Pyramiden befindet sich die Sphinx, unser letztes Ziel. Auch ohne Nase beeindruckt uns die Steinfigur, die gut viereinhalbtausend Jahre halb im Sand begraben lag.


fotos 31|01|2017 © anapauladellantonio | michaeldellantonio